
Each Way — eine britische Idee, die auch deutsche Wetter begeistert
Die Each Way Wette ist ein Import von der Insel, der sich längst auf dem Kontinent etabliert hat. Das Prinzip: Du platzierst nicht eine Wette, sondern zwei — eine auf Sieg und eine auf Platz — in einem einzigen Vorgang. Zwei Wetten in einer, das ist Each Way. Wenn dein Pferd gewinnt, kassierst du beide Teile. Wenn es nur platziert wird, bekommst du immerhin den Platz-Teil ausgezahlt. Nur wenn es komplett daneben liegt, verlierst du den gesamten Einsatz.
In Europa, das laut Business Research Insights rund 47 % der weltweiten Umsätze im Pferderennsport auf sich vereint, gehört Each Way zum Standardrepertoire jedes Wettschalters. In Großbritannien und Irland ist die Wettart so selbstverständlich wie die Siegwette, und über internationale Buchmacher steht sie auch deutschen Wettern offen. Am deutschen Totalisator selbst gibt es kein offizielles Each-Way-Produkt — dort musst du Sieg- und Platzwette separat abgeben. Aber bei Online-Buchmachern mit britischer oder maltesischer Lizenz ist der Each-Way-Klick nur einen Haken entfernt.
Was genau macht diese Wettart so reizvoll? Die Antwort liegt in der Mathematik des Sicherheitsnetzes — und in der Frage, wann die doppelte Wette tatsächlich klüger ist als die einfache.
So funktioniert Each Way: Sieg-Teil + Platz-Teil
Eine Each-Way-Wette besteht immer aus zwei gleichgroßen Einsätzen. Wenn du „10 Euro Each Way“ spielst, setzt du 10 Euro auf Sieg und 10 Euro auf Platz — dein Gesamteinsatz beträgt also 20 Euro. Das ist der erste Punkt, den Einsteiger oft übersehen: Each Way kostet das Doppelte des angegebenen Einsatzes.
Der Sieg-Teil wird zur vollen angebotenen Quote abgerechnet. Der Platz-Teil wird zu einem Bruchteil der Siegquote ausgezahlt — typischerweise ein Viertel oder ein Fünftel, je nach Buchmacher und Rennen. Diese Bruchteile heißen im Fachjargon „Terms“ und variieren nach Feldgröße und Wettbewerb.
Die gängigen Terms bei den meisten Buchmachern sehen so aus: Bei Feldern mit zwei bis vier Startern gibt es in der Regel kein Each Way. Bei fünf bis sieben Startern werden zwei Plätze zu einem Viertel der Siegquote gezahlt. Ab acht Startern erhöht sich das auf drei Plätze, weiterhin zu einem Viertel. Bei Handicap-Rennen mit 16 oder mehr Startern bieten manche Buchmacher vier Plätze zu einem Fünftel an. Große Events wie das Grand National können sogar sechs Plätze anbieten — das ist dann kein Standard, sondern ein Lockangebot.
Der entscheidende Unterschied zur separaten Platzwette am Totalisator: Beim Toto wird die Platzquote unabhängig von der Siegquote aus dem Platz-Pool berechnet. Bei Each Way dagegen leitet sich die Platzquote direkt von der Siegquote ab. Das macht die beiden Wettarten schwer vergleichbar — ein Punkt, auf den wir noch zurückkommen.
Ein weiteres Detail: Wenn dein Pferd gewinnt, bekommst du beide Teile ausgezahlt — den Sieg-Teil zur vollen Quote und den Platz-Teil zum Bruchteil. Du wirst also nicht für den Platz-Einsatz bestraft, nur weil dein Pferd besser als erwartet abschneidet.
Rechenbeispiel: Was du bei Each Way wirklich gewinnst
Konkretes Szenario: Ein Rennen mit zehn Startern, Each-Way-Terms 1/4 der Quote, drei Plätze. Du setzt 10 Euro Each Way auf ein Pferd mit einer Siegquote von 12,00. Dein Gesamteinsatz: 20 Euro.
Szenario A — dein Pferd gewinnt. Sieg-Teil: 10 Euro × 12,00 = 120 Euro. Platz-Teil: 10 Euro × 3,00 (ein Viertel von 12,00) = 30 Euro. Gesamtauszahlung: 150 Euro. Reingewinn nach Abzug des Einsatzes: 130 Euro.
Szenario B — dein Pferd wird Zweiter oder Dritter. Sieg-Teil: verloren. Platz-Teil: 10 Euro × 3,00 = 30 Euro. Gesamtauszahlung: 30 Euro. Da du 20 Euro eingesetzt hast, bleiben 10 Euro Reingewinn. Du hast trotz „Niederlage“ im Sieg-Teil Gewinn gemacht.
Szenario C — dein Pferd landet auf Platz 4 oder schlechter. Beide Teile verloren. Verlust: 20 Euro.
Der Online-Markt macht solche Berechnungen zunehmend einfach. Rund 50 % des weltweiten Marktes für Pferdewetten entfallen mittlerweile auf den Online-Sektor, schätzt Verified Market Reports. Die Buchmacher-Plattformen zeigen den potenziellen Gewinn für beide Szenarien automatisch an, bevor du bestätigst.
Was Sportwetten betrifft, kennt der deutsche Markt beachtliche Volumina. Mathias Dahms, Präsident des Deutschen Sportwettenverbands, schätzte allein für die Fußball-EM 2024, dass in Deutschland Einsätze von bis zu einer Milliarde Euro platziert würden. Pferdewetten bewegen sich in deutlich kleineren Dimensionen, aber die Wachstumsdynamik im Online-Bereich zeigt, dass auch dieser Markt von der Digitalisierung profitiert.
Each Way vs Platzwette: Unterschiede und Entscheidungshilfe
Der häufigste Denkfehler: Each Way und Platzwette seien dasselbe. Sind sie nicht. Die deutsche Platzwette am Totalisator ist ein eigenständiges Produkt mit eigener Quotenbildung aus dem Platz-Pool. Each Way dagegen ist eine zweigeteilte Buchmacher-Wette, deren Platz-Teil von der Siegquote abgeleitet wird. Die Quoten können erheblich divergieren.
Wann ist Each Way die bessere Wahl? Bei Außenseitern mit Siegquoten ab 8,00 oder höher. Hier liefert der Platz-Teil noch eine lohnende Auszahlung (mindestens 2,00), und gleichzeitig hast du die Chance auf den vollen Sieggewinn. Bei Favoriten mit Quoten unter 3,00 funktioniert Each Way dagegen schlecht: Der Platz-Teil bringt kaum mehr als den Einsatz zurück, und du zahlst trotzdem den doppelten Preis.
Die Platzwette am Totalisator hat ihren Vorteil bei mittleren Feldern und Pferden im Mittelfeld der Quotenliste. Dort kann die Toto-Platzquote attraktiver sein als der Bruchquoten-Ansatz des Buchmachers, weil der Platz-Pool sich unabhängig vom Sieg-Geld bildet und manchmal überraschend hohe Quoten produziert.
Eine pragmatische Faustregel: Wenn du ein Pferd für einen ernsthaften Siegkandidaten hältst, aber nicht sicher genug bist, um den gesamten Einsatz auf Sieg zu riskieren — spiel Each Way. Wenn du nur auf eine Platzierung spekulierst und der Sieg unrealistisch erscheint — nimm die separate Platzwette. Die richtige Entscheidung hängt nicht von der Wettart ab, sondern von deiner Einschätzung des Pferdes.
Noch ein taktischer Aspekt: Each Way lässt sich mit Box-Strategien kombinieren. Manche erfahrene Wetter spielen Each Way auf zwei verschiedene Pferde im selben Rennen — einen Mitfavoriten und einen Außenseiter. Wenn der Außenseiter gewinnt, deckt der Gewinn den Verlust der zweiten Wette bei weitem. Wenn der Mitfavorit platziert wird, begrenzt der Platz-Teil den Schaden. Diese Strategie erfordert allerdings ein größeres Budget und eine genaue Kalkulation der Break-Even-Punkte.
Wann Each Way sich nicht lohnt
Drei Situationen, in denen du auf Each Way verzichten solltest. Erstens: kleine Felder mit fünf oder weniger Startern, in denen die Each-Way-Terms nur zwei Plätze bei einem Viertel der Quote vorsehen. Die Platzquote wird so niedrig, dass ein Platz-Treffer den Doppeleinsatz kaum rechtfertigt. Zweitens: Favoriten mit Siegquoten unter 3,00 — hier ist eine einfache Siegwette oder Platzwette fast immer effizienter. Drittens: wenn du unsicher bist, ob das Pferd überhaupt unter die ersten drei kommt. Each Way schützt dich nicht vor einer Fehleinschätzung, es macht sie nur doppelt so teuer.
Die Each Way Wette bleibt, was sie seit ihrer Erfindung auf britischen Rennbahnen war: eine elegante Absicherung für den Wetter, der an sein Pferd glaubt, aber den Totalverlust scheut. Zwei Wetten in einer — das funktioniert, solange du weißt, was beide Teile kosten und was sie bringen.